Presseberichte
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Auch wenn Sie es nicht glauben: Die Herren auf dem linken Bild werden bald Detektive sein. Sie machen gerade eine Ausbildung. Authentischer sieht da schon Manfred Heiß auf dem rechten Bild aus. Mit Kamera, und Diktiergerät spürt er Menschen nach - aus welchen Gründen auch immer. Er sagt, es gibt, immer welche. Und deshalb gibt's für Privatdetektive auch immer Arbeit.
Bilder: Wyszengrad
Miss Marple zu sein, ist nicht gefährlich
Beim Detektiv-Lehrgang wird mit Illusionen aufgeräumt und die nächste "Schnüffler"-Generation ausgebildet
Von Sandy Pfeiffer
Einmal Miss Marple oder Sherlock Holmes sein.. Die Nase in fremde Angelegenheiten stecken, gefährliche Gauner fangen und für das Gute einstehen - davon träumen viele, wenn sie in einem Krimi schmökern. Das Detektiv-Ausbildungsinstitut Richard Heiß erfüllt regelmäßig diese Träume. Doch die erste Lektion ist die, dass die Realität so gar nichts° mit der Romanwelt zu tun hat.
Manfred Heiß, Leiter des Detektiv-Lehrgangs, sitzt hinter seinem Schreibtisch: Er sieht ganz normal aus, nichts Auffälliges ist an ihm festzustellen. Das ist auch gut so, denn Manfred Heiß wird dafür bezahlt, verdächtigen Leuten unauffällig zu folgen. Richard Heiß, Vater des jetzigen Leiters, gründete die Detektei und Auskunftei gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. 1956 kam ein Bewachungs-Unternehmen dazu. Manfred Heiß übernahm Unternehmen und Ausbildungsinstitut 1989. Er und seine Mitarbeiter wissen also, was sie tun. Seit 41 Jahren bilden sie Detektive aus.
An vier Wochenenden wird der Nachwuchs in das Leben eines Detektivs eingeführt. Heiß nimmt den 14 Teilnehmern zuerst die Illusionen: "Was man in Büchern und in Filmen über Detektive erfährt, kann man vergessen. Da geht es nur um Aufregung, sonst würde ja keiner zuschauen." In Wirklichkeit, so Heiß, sei das Leben eines Detektivs wenig aufregend, ja sogar langweilig. "Oft sitzt man stundenlang in seinem Auto und wartet darauf, dass die Zielperson das Haus verlässt.
"Doch dies kann 13 Männer und eine Frau nicht davon abhalten, ihrem Ziel näher zu kommen. Um später möglichst unauffällig an Verdächtige` heranzukommen, möchten die Detektive in spe unerkannt bleiben. Tobias J., bislang Soldat, kann sich vorstellen, als Detektiv zu arbeiten: "Man ist flexibel und hat unterschiedliche Arbeitszeiten. Irgendwie ist es was Besonderes. Ich könnte nie acht Stunden an einem Schreibtisch sitzen."
Der Männerüberschuss in dem Seminarraum sagt übrigens nichts über die späteren Erfolge aus. "Bei Ermittlungen sind Frauen erfolgreicher, weil sie bei Beobachtungen weniger auffallen", weiß Manfred Heiß. "Auch bei Befragungen haben es Frauen leichter, denn mit dem Detektivberuf werden oft nur Männer identifiziert." Diese Aussage freut die. einzige Frau in der Runde: „Ich mache zwar eine Ausbildung zur, Kauffrau für Bürokommunikation, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, später nebenberuflich als Detektivin zu arbeiten", meint die 22-Jährige.
Inzwischen erzählt Heiß von den Tätigkeitsbereichen eines Detektivs: „Die Arbeit ist nicht immer angenehm und bequem, aber wir lieben unseren Beruf." Der "Schnüffler"-Job sei keinesfalls gefährlich. "Es hat mir noch nie jemand vor der Tür aufgelauert. Gut, jemand hat mir mal den Reifen zerstochen, aber das muss ja nicht unbedingt etwas mit meinem Beruf zu tun haben. Ein Schornsteinfeger lebt gefährlicher.
Zu den Voraussetzungen für den Detektivberuf gehören Mut, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, freundliches Auftreten und eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit. "Detektive müssen täuschen, tarnen und lügen können. Für manche ist das sehr schwer. Nicht so für Robert M.: "Ich glaube, ich hätte damit keine Probleme. Ich sehe das alles recht realistisch, nicht so wie in den Büchern." Zwischendurch lässt Heiß immer mal wieder Tipps für den beruflichen Alltag einfließen: „Bei längeren Beobachtungen vom Auto aus .ist es sinnvoll, auf dem Beifahrersitz zu sitzen, dann scheint es nämlich, als warte man auf jemanden, das ist weniger auffällig."
An den Wänden der Detektei hängen Urkunden und Auszeichnungen. Neben der theoretischen Ausbildung zum Detektivberuf werden die Teilnehmer auch in Kriminalistik und rechtlichen Dingen unterrichtet. Auch die Praxis kommt bei dem Lehrgang nicht zu kurz. Davon kann Thomas K. bereits berichten, Der ehemalige Soldat der US-Armee hat in einem Unterhaltsstreit eines Bekannten mit einem Rechtsanwalt zusammengearbeitet und belastende Beweise gesammelt. "Das hat mir gefallen, ich denke, dass mir dieser Beruf liegt." Deshalb reist Thomas K. für die vier Kurs-Wochenenden aus Regensburg an.
Im Juni müssen die Teilnehmer sich einer dreistündigen Prüfung unterziehen; bevor sie sich offiziell als Privatdetektive bezeichnen dürfen. Die Aussichten, später von den Aufträgen leben zu können, stehen gut. „Ich kenne keine arbeitslosen Detektive", erklärt Manfred Heiß. „Durch das mangelnde Unrechtsbewusstsein und den Verfall der Moralvorstellungen wird der bundesweite Umsatz in den nächsten Jahren wohl um rund 20 Prozent steigen." Eine Erfolgsquote: von 85 Prozent beweise die gute Arbeit. "Das stellt jede Kriminalstatistik in den Schatten."
info: Ein- bis zweimal im Jahr findet ein Lehrgang statt. Die Grundausbildung kostet ca. 2300 Euro. Informationen unter www.detektiv-ausbildungsinstitut.de

In Farn lässt sich bestens eine Minikamera verstecken. Schneller, als man denkt, ist man damit auch Zuhause nicht mehr allein.
Augsburger Allgemeine, 09.04.2005